Ulrich Heemann


Ulrich Heemann arbeitet seit vielen Jahren mit der Kamera. Schon früh bilden

Fotografien für ihn Im thematischen Fokus seiner Arbeit steht bei Heemann

unzweifelhaft der Mensch, oft genug das eigene Selbst. Menschen interessieren

ihn nicht nur in ihrer Schönheit oder im erotischen Reiz, sondern auch und vor allem

in ihrer Fragilität und Hinfälligkeit, Hilflosigkeit und Vergänglichkeit. Die Motivik

seiner Bildwelten wirkt nicht selten morbid, fast immer irritierend, bisweilen

sogar provozierend auf den Betrachter. Badewanne, Gitterbett, zerwühltes

Bettzeug, alptraumhaftes Ambiente, darin Menschen, oft genug das eigene Selbst,

notdürftig bekleidet. Manchmal fühlt sich der Betrachter seiner Bilder

unversehens als Voyeur ertappt, denn die menschlichen Abbilder in Heemanns

fotografischen Arrangements begegnen ihm in ungewohnten, oft bizarren

Haltungen und Situationen mit hohem Intimitätsgrad – ob es nun fast schwerelose

Körper von traumverloren wirkenden, in sich versunkenen Butoh-Tänzern sind

oder sich reliefartig aus einer zähen Lehmmasse herausarbeitende, ineinander

verschlungen Leiber, die an archäologische Entdeckungen menschlicher Gestalten

aus längst versunkenen Zeiten erinnern – immer geht es Heemann um das Spektrum

des Menschlichen, bei dem auch Hässliches, Anstößiges, Verstörendes nicht ausgespart

werden darf. Diese Verschränkung von thematisch - inhaltlich Skurrilem und hoher

fotografisch - künstlerischer Ästhetik bildet das unverwechselbare Faszinosum der

Bilderwelten Ulrich Heemanns. Seine Fotos gehen in der Bilderflut nicht unter.