Thomas Zika


Thomas Zika
drama queens 2015-18

Ich sammle bestimmte weibliche fotografische Portraits der 1880-1910er Jahre; sie sprechen auf eine fast schon intime Weise zu mir. Kleine Carte-de-Visite-Fotografien, die Frauen im Rahmen der damals geltenden gesellschaftlichen und ästhetischen Konventionen abbilden.

Die gesellschaftliche Norm sah in der Perpektive des viktorianischen oder preussischen Weltbildes für Frauen nur eine nicht emanzipierte Rolle als Hausfrau und Mutter neben ihren Ehemännern vor. Mich interessieren diejenigen Fotografien am meisten, auf denen die Abgebildeten todessehnsüchtig, hysterisch, unterdrückt, genial, verrückt, betend, erleuchtet, spirituell hoffnungsvoll und sexuell unerfüllt wirken: DRAMA QUEENS

Das Jahrhundert der Romantik kannte so gut wie keine Künstlerinnen, die weit verbreitete Krankheit der „Hysterie“, wurde erst durch die Entwicklung der Psychoanalyse als nicht körperlich, sondern seelisch wahrgenommen.

Bereits in meinem letzten Projekt„somnambule“ habe ich Pilze genutzt, um auf Grossbildnegativen semi-chaotische Veränderungen vorzunehmen, die die lichtempfindliche Schicht des Negativs bereits vor dem Belichten des eigent-lichen fotografischen Motivs durch Zufallsästhetik zerstören / neu determinieren. Die abgeschnittenen Pilzköpfe sondern ihre Sporen auf die darunter liegenden Flächen ab, so dass lamellenartige kreisförmige Umrisse entstehen, die anmuten wie eine Mischung aus Explosion und Aura.