Thomas Zika


» drama queens 2015–18 «


Die künstlerische Herangehensweise von Thomas Zika ist besonders subjektiv und geht
bewußt von heutigen Klischees über die Rolle der Frau im ausgehenden 19. Jahrhundert
aus. Zika sammelt bestimmte fotografische Damenportraits der 1880-1910er Jahre, mit
denen er in einen intimen Dialog tritt. Ausgehend von der Annahme, die gesellschaftliche
Norm jener Zeit habe für Frauen eine nicht emanzipierte Rolle als Hausfrau und Mutter
neben ihren Ehemännern vorgesehen, sucht er Bilder, auf denen die Abgebildeten todessehnsüchtig,
hysterisch, unterdrückt, genial, verrückt, betend, erleuchtet, spirituell hoffnungsvoll
und sexuell unerfüllt wirken. Er legt an diese Bilder seine eigene Interpretation
und das heutige Rollenverständnis als Richtschnur an. Gleichzeitig stellt er dadurch seine
eigenen Prämissen in Frage: Wenn die von ihm ausgewählten Frauen nicht dem vermeintlichen
Rollenbild entsprechen, sollten wir dieses Rollenbild dann nicht differenzieren?
Die großformatigen Negative dieser Bilder werden mit Pilzen semi-chaotisch bearbeitet:
Noch vor der Belichtung wird die lichtempfindliche Schicht des Negativs durch Zufallsästhetik
an zufälligen Stellen beschädigt. Die abgeschnittenen Pilzköpfe sondern ihre Sporen
auf die darunterliegenden Flächen ab, so daß lamellenartige kreisförmige Umrisse entstehen,
die wie eine Mischung aus Explosion und Aura wirken. Dadurch gibt er diesen Bildern
etwas Zufälliges, was ihre perfekte, malerische Inszenierung durchkreuzt. Zugleich
spielt er auf grenzüberschreitende Weise mit der Integrität der dargestellten Frauen. Thomas
Zika: „Durch diese Überlagerung schaffe ich malerische Unikate, die neue mögliche
Bildaussagen und Lesarten produzieren, aber leider oft das ganze Foto zerstören. Bei den
geglückten Aneignungen entstehen hauchzarte Aureolen und es scheint, als ob durch diese
Re-Auratisierungen das ganze psychische Dilemma transformiert, die seelische Not
posthum gelindert würde.“