Sabine Bungert


 

Wilde Orte

 

In diesem Fall ist der Grenzgang wörtlich zu nehmen. Immer mehr Straßen, Dämme oder Zäune durchschneiden Naturräume. Ich beschäftige mich mit einer Wildnis, die inmitten von Städten und Besiedelungen liegt, entlang von Gartenzäunen, an Feldrändern, in Vorgärten, im Dickicht der Peripherien, im Unterholz der nahen Erholungsgebiete, sowie auf den grünen Mittelstreifen stark befahrener Straßen.

Wilde Orte gibt es überall, man muß nur stehenbleiben und hinschauen. Das nahegelegene Unentdeckte ist oft von mystischer Schönheit. Im Pflanzenkosmos an den Grenzen der Naturräume findet sich eine Allegorie vergänglicher Schönheit.

Fragmente aus dem dichten, lichtlosen Unterholz, wie Erde, Fäulnis, Wurzeln, Flechten, Nadeln, Moos, Holz, Rinde, aber auch Blühendes und Wachsendes setze ich zu einer neuen Gesamtkomposition zusammen. Die Lichtführung auf den neu gestalteten Wald- und Dickichtböden erinnert an die niederländischen Vanitas-Stillleben des 17. Jahrhunderts. Durch die dunkle Atmosphäre mit dem seitlich einfallenden Licht werden die einzelnen Bestandteile innerhalb der Inszenierung modelliert. Unerwartete Muster und Resonanzen vebinden die Objekte zu organischen Formen, die sich zu unerwarteten Miniaturlandschaften, zu neuen wilden Orten formen.