Sabine Bungert und Stefan Dolfen


Kudzu

 

Kudzu überwindet alle Grenzen. Die hoch invasive Kletterpflanze erobert nicht nur Zäune, Strommasten und Eisenbahnschienen, Kudzu überwuchert ganze Wälder und Häuser. Kudzu wächst horizontal und vertikal. Kudzu wächst 30 Zentimeter am Tag und kann bis zu 30 Meter lang werden.

„The vine that ate the south“ nennen die Einheimischen diese Pflanze, die seit vielen Jahren die amerikanischen Südstaaten erobert. Ursprünglich im asiatischen Raum beheimatet, wurde Kudzu 1876 zur Weltausstellung Philadelphia Centennial Exhibition in die USA eingeführt. In den folgenden Jahren wurden die Bauern ermutigt Kudzu anzupflanzen. Die Aktion sollte die Bodenerosion stoppen. Doch was man nicht bedachte, aufgrund der milden Winter und dem Fehlen natürlicher Fressfeinde, fand das hoch invasive Gewächs ideale Bedingungen vor und konnte sich unkontrolliert ausbreiten. Heute ist Kudzu ein riesiges Problem.

Die überwucherten Landschaften faszinieren. Bäume erinnern an Tiere oder Gestalten aus einer Fabelwelt und Wälder wirken wie verzaubert. Doch der schöne Schein birgt eine bittere Wahrheit. Überwucherte Bäume sterben durch Lichtmangel und aufgrund des hohen Gewichtes der Pflanze. Tiere finden weniger Nahrung, wodurch sich die Artenvielfalt deutlich reduziert. Eine dramatische Entwicklung gerade für die Südstaaten, die genetisch bedingt und aufgrund des subtropischen Klimas eine sehr hohe Artenvielfalt aufzuweisen haben. Auch der wirtschaftliche Schaden ist enorm, Kudzu zerstört ganze Anwesen, Stromleitungen müssen ständig erneuert und Eisenbahnschienen befreit werden. Kudzu hat die Landschaft des amerikanischen Südens nachhaltig verändert.