René Sikkes


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Wenn es um Erinnerungen geht, stößt die Fotografie an ihre Grenzen. Das, was war, kann
man denken, aber nicht fotografieren. „Als ich vor einem Jahr in meine Heimat zurückkehrte,
um die Orte zu besuchen, an denen ich aufgewachsen bin, wurde mir klar, dass
nichts mehr so war wie früher“, sagt René Sikkes. „Ich fand mich in einer Umgebung wieder,
die zugleich vertraut und fremd für mich war. Die Bilder, die ich machte, zeigten nicht,
was ich zu wissen glaubte.“
Die Orte, von denen man vor Jahren aufgebrochen ist, haben sich seither weiterentwickelt,
weil die Zeit nicht stehenbleibt. Kehrt man zurück, vermischen sich die neuen Eindrücke
mit den Erinnerungen an die früheren Zeiten, wie wenn man Folien mit geringfügig abweichenden
Bildern übereinanderlegt und so lange verschiebt, bis sie einigermaßen passen.
Aus diesem Grund sind die neu aufgenommenen Bilder nicht deckungsgleich mit den Erinnerungen.
Aber die Erinnerungen spielen eine große Rolle bei der Motivwahl und bei der
Art und Weise, wie die Bilder von heute entstehen.
René Sikkes: „Während dieser Reise vermischten sich meine früheren Erinnerungen mit
den Eindrücken des Augenblicks. Nur die Fotos steckten zwischen den Grenzen der Zeit
fest. Sie blieben Bilder von dem, was ist, ohne Verbindung zu dem, was war. Erst als die
Bilder ergänzt wurden und über die Grenzen der Realität hinausgingen, versöhnten sich
Vergangenheit und Jetzt.“
Hierfür wählte der Künstler eine Mischtechnik, bei der jedes Bild um einen flächig gehaltenen,
rein aus der Phantasie geborenen Bereich erweitert wurde. Dadurch wird das Motiv
aus seinem Kontext isoliert und in einen größeren, imaginären Zusammenhang gestellt.
Es wird dadurch abstrahiert und verdichtet, es hängt nun nicht mehr von dem ab, was sich
links und rechts von ihm befindet, sondern kann, von seiner unmittelbaren Nachbarschaft
befreit, die Erinnerungen und Vorstellungen des Fotografen, aber auch des Betrachters
zeigen.