Peggy Stahnke


Embodiment of Pain


Diese Arbeiten entstanden 2017 im Rahmen des Studienabschlusses. Sie zeigen an Brustkrebs erkrankte Frauen unterschiedlichen Alters, die in verschiedenen Abschnitten ihres Lebens mit dieser Herausforderung konfrontiert worden sind und sich in unterschiedlichen Stadien ihrer Erkrankung befinden. Es geht dabei nicht um das Leid der einzelnen Frauen, nicht einmal um ihre Individualität, sondern um die Sicht auf den Körper und um den Umgang mit der Krankheit. Peggy Stahnke thematisiert die Krankheit als einen Lebenszustand und nicht einen Zustand, der defizitär ist. Mit ihren Bildern blickt sie nicht nur auf den körperlichen Schmerz, den die Betroffenen erfahren haben, sondern auch auf die Geschichte einer Überwindung, eines Annehmens und einer Akzeptanz dieser Versehrtheit. Mit ihrer Erkrankung entsprechen diese Frauen nicht mehr dem von der Gesellschaft vorgegebenen Idealbild. Mithilfe der Fotografie hinterfragt die Künstlerin das vermeintlich Vollkommene.


Bei dieser Arbeitet bietet ihr die digitale Fotografie gegenüber der analogen zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten. Sie nutzt für die Weiterbearbeitung der Portraits die Technik des Morphens. Normalerweise werden hierbei die Konturen zweier Bilder von einem Computerprogramm zu einem neuen Bild verrechnet. Peggy Stahnke läßt jedoch in mehreren Durchgängen nur ausgewählte Bereiche mehrerer Bilder verschiedener Frauen und Perspektiven miteinander verschmelzen. Auf diese Weise provoziert sie die in den Bildern sichtbaren Rechenfehler, die sich vor allem als Doppelkonturen äußern und den Eindruck von Bewegungsdynamik erzeugen. Es sind technisch produzierte Bilder, die in der Realität so nicht existieren und vor allem die unwillkürlichen individuellen Gesten transportieren. Peggy Stahnke: „Mit meiner Arbeit greife ich die Vorstellung an, dass Vollkommenheit das Ziel der Menschen sein soll. Im Grunde verweist die Krankheit selbst auf die Unerreichbarkeit von Perfektion.“

 

Ihre Bilderserie ist der Versuch, den Begriff des „Krankseins“ aufzuweichen. Die abgebildeten Rechenfehler lenken die Aufmerksamkeit von den wirklichen Narben weg. Wie wenn ein Schleier weggezogen wird, tritt dadurch das individuelle, lebendig Dagewesene dieser Menschen in den Mittelpunkt.