Nora Sayyad


Finding Forgiveness


Diese fotografische Arbeit ist ein laufendes Autobiografie- und Forschungsprojekt, das nicht nur eine persönliche Familiengeschichte offenbart, sondern auch versucht, Kindesentführung als internationales Problem zu thematisieren. Im Jahr 1992 wurde Nora Sayyad zusammen mit ihren beiden Brüdern zwei Jahre lang vom eigenen Vater entführt und an verschiedenen Orten in Irak und in Jordanien festgehalten. Ihre Mutter durchlitt die Tortur, ihre Kinder zu finden und zurückzubekommen. Allen Widrigkeiten zum Trotz bekam sie 1994 von einem jordanischen Gericht das Sorgerecht zugesprochen. Danach lebten sie gemeinsam zunächst in Schweden und dann in Finnland. Den größten Teil ihres Lebens hat Nora Sayyad in Finnland verbracht.


Ihren Vater sah sie erst zwanzig Jahre später wieder, im Jahr 2014, und zu diesem Zeitpunkt begann dieses Fotoprojekt. Fünf Wochen verbrachte Nora bei der neuen Familie ihres Vaters. In dieser Zeit nahm sie die Kamera, um die Wirklichkeit zu begreifen. Heute umfasst ihre Arbeit alte und neue Bilder von ihren beiden Familien. Als die Künstlerin Ihren Vater traf, war die wichtigste Frage die nach dem Warum. Doch sie hatte und hat weitaus mehr Fragen an ihre Eltern und denkt heute, dass sie nie alle Antworten darauf bekommen wird. Denn was ihnen passiert ist, wurde in der Familie nie richtig besprochen. Sie hat das schließlich verstanden und sich damit wohl auch abgefunden. Der Grund für die Scheidung ihrer Eltern lag vielleicht gar nicht so sehr in kulturellen oder persönlichen Unterschieden. Das Projekt hat ihr sehr dabei geholfen, die Zusammenhänge zu verstehen, an denen viele multikulturelle Kinder mehr oder weniger schwer zu
tragen haben.

 

Nora Sayyad: „Ich denke, die Geschichte meiner Familie selbst erzählt das Wichtigste: daß es die Möglichkeit der Vergebung gibt. Ich stelle die Frage, ob es möglich ist, zu verzeihen und diese Dinge zu überwinden.“