Noora Sandgren


Fluid Being


Noora Sandgrens Arbeiten beziehen ihre auratische Ausstrahlung aus einer sehr intensiven Auseinandersetzung der Künstlerin mit ihrer eigenen Sensitivität. Ausgehend vom Konzept der „fotogenen Zeichnung“ (William Henry Fox Talbot) erarbeitet sie in Langeblichtungen von etwa 30 Minuten Licht-Bilder ihres eigenen Körpers. Bei diesem Vorgang ist es ihr sehr wichtig, sich ganz auf ihre Sinneswahrnehmungen zu konzentrieren, während in freier Natur das Bild von ihr entsteht. „Ein vertrauter Gartengrund ist die Bühne für meine Arbeit - wenn mich plötzlich neue Düfte von Erde, Pflanzen und Insekten berühren und ich sie mit meiner Haut wahrnehmen kann“, sagt Noora Sandgren. „Das Gelände fühlt sich nicht mehr äußerlich an, seine Bewegungen und Wege setzen sich in meinem Körper fort, der sein Medium wird. Indem ich dieses „flüssige Sein“ (so der Werktitel) übe, kann ich über die Grenzen der Oberflächen hinweg sehen und sie mehr fühlen.“

 

Der Arbeitsvorgang, aus dem heraus diese Arbeiten entstehen, ist äußerst meditativ. Die Künstlerin zählt dabei ihre Atemzüge und wird gedanklich ganz eins mit ihrer Umgebung. Auf diese Weise ist es ihr möglich, die Grenzen subjektiver Wahrnehmung zu erweitern und zu einer völlig neuen Beziehung mit ihrer Umwelt zu gelangen. „Das natürliche Foto ist kein Porträt meiner Körperlichkeit, es ist eine Aufzeichnung des ständigen Werdens zusammen mit allen Lebenden und Nichtlebenden in Raum und Zeit. Fluid Being (2015–) ist eine sich entwickelnde Werkfamilie.“