Michael Dörr


tilfinningaþrungið landslag

 
Schon länger wird mit dem Verhalten von Filmmaterial unter Extremsituationen experimentiert. Während sich andere meist darauf beschränkt haben, überlagerte Filme zu verwenden oder ihre Möglichkeiten mit „falschen“ Belichtungs- oder Entwicklungsverfahren auszureizen, geht Michael Dörr weit über diese Bereiche hinaus, wenn es darum geht, die Grenzen des Materials Film auszuloten. Er traktiert die Filme vor dem Belichten mit anorganischen oder organischen Substanzen, kocht sie beispielsweise in Salzwasser, badet sie in Zitronensaft oder behandelt sie mit Schallplattenreiniger. Die Bildsprache dieser Filme ist vorher nicht absehbar und kann nur experimentell ergründet werden. Auf diesem Weg hat Michael Dörr zu Ausdrucksmitteln gefunden, die in der Fotokunst völliges Neuland darstellen: Durch die grenzwertige Behandlung der Filme entstehen Fotografien, die wie Szenen aus Träumen oder Erinnerungen wirken.

 

Mit diesen Arbeiten führt Michael Dörr das Publikum zu eine Reflexion über den Wahrheitsgehalt dessen, was man sieht: Sind die Dinge, die wir sehen, real, oder sehen wir Dinge, von denen wir uns nur einbilden oder wünschen, sie zu sehen? Denn noch immer wird von der Fotografie erwartet, dass sie narrativ oder dokumentarisch ist. Durch die extreme Behandlung verliert das Material Film diese Eigenschaften und Motive lösen sich im wahrsten Sinne des Wortes auf. Mehr noch: es entstehen neue Abbildungen.