Martin Sigmund


» Border «


Zu einer Ausstellung über Grenzgänge Bilder von Grenzanlagen beizutragen, erscheint
nur auf den ersten Blick trivial, tatsächlich führt diese Wahl mitten in einen wesentlichen
Bereich dieses Themas. Nirgends werden Grenzen so unmittelbar erlebbar wir bei den
Grenzanlagen zwischen den Staaten, auch wenn die monströsen Grenzübergänge aus der
Zeit des Eisernen Vorhangs längst verschwunden sind. Als unprätentiöse Relikte anonymer
Architektur stehen kleine und größere Grenzanlagen in unterschiedlichsten Landschaften
und erzählen von früher, aus der Zeit vor dem Schengener Abkommen von 1995,
als in der Europäischen Union die Binnengrenzen geöffnet wurden.
Martin Siegmund dokumentiert in einem Langzeitprojekt seit 2005 funktionslos gewordene
Grenzanlagen mit der Großformatkamera. Doch seit 2015 wurden viele dieser Relikte
wieder reaktiviert, als wären sie nie weg gewesen. Der Fotograf fragt sich: Waren sie das
denn eigentlich je wirklich?
Durch diesen zweifachen Paradigmenwechsel schreibt sich die Geschichte der EU-Binnengrenzen
unvermutet weiter. Dabei zeigt sich: Die Grenze selbst ist ebensowenig von
Dauer wie auch ihre Abschaffung. Sie sind jeweils Momentzustände eines ewigen Wandels,
sowohl zwischenstaatlich als auch ideologisch.