Laura Böök


» Walking on Rivers «

 

In Pudasjärvi, einer kleinen Stadt in Nordfinnland, leben mehr Rentiere als Menschen. Die

einheimische Bevölkerung vergreist zunehmend und besonders junge Leute ziehen weg.

Aus diesem Grund hat die lokale Verwaltung festgelegt, dass einer von zehn Einwohnern

ein Immigrant oder eine Immigrantin sein soll – ein ehrgeiziges Ziel, wenn man bedenkt,

dass in Finnland erst in den 1990er Jahren eine Einwanderung in größerem Stil einsetzte

und die meisten europäischen Staaten, in denen sich das soziale Klima aufgrund der Krise

verschärft hat, ihre Grenzen eher abschotten als öffnen.

Die finnische Regierung jedenfalls beschloss, pro Jahr 750 Flüchtlinge aufzunehmen. Sie

erreichen Finnland über ein UNHCR-Programm, das Flüchtlinge umsiedelt, die in besonders

gefährlichen Regionen leben und daher voraussichtlich nicht in ihre Heimat zurückkehren

werden. In den letzten zehn Jahren konnte diese Quote allerdings selten erzielt

werden, da viele Gemeinden ihre Unterstützung verweigerten.

Für die Serie Walking on Rivers hat Laura Böök kongolesische Flüchtlinge fotografiert,

die sich in Nordfinnland niedergelassen haben. Veränderung und unsere Fähigkeit, damit

umzugehen, ist ein zentrales Thema des Projekts. Böök lernte die auf den Fotos abgebildeten

Familien kennen, als sie nach mehr als fünfzehn Jahren in Flüchtlingslagern gerade

in Finnland angekommen waren. Sie war daran interessiert, die laufenden Veränderungen

in ihrer neuen Heimat Pudasjärvi zu dokumentieren. Die Arbeit an der Serie bot die Gelegenheit,

einen neuen Teil Finnlands zu entdecken und kennenzulernen. Der Blick des

Fotografen ist oft nostalgisch auf das gerichtet, was verschwindet. Laura Böök war daran

interessiert, die zeitgenössische Landschaft zu dokumentieren – was jetzt ist und was sich

entwickelt. Orte wie Pudasjärvi stehen nicht an erster Stelle, wenn man an eine multikulturelle

Gemeinschaft denkt, und das macht sie zu einem interessanten Ort zum Fotografieren.

Bei der Arbeit mit den kongolesischen Flüchtlingen war es auch wichtig, dass der

Fokus auf der Gegenwart und der Zukunft liegt.

Der Name der Serie Walking on Rivers bezieht sich auf eine unwahrscheinliche Reise.

Nachdem sie erfahren hatten, dass sie nach Finnland ziehen würden, haben die fotografierten

Familien noch mehrere Jahre darauf gewartet.