Katrin Jaquet


Nach dem Tod meiner Mutter vor einigen Jahren habe ich die Familienalben und einige Kartons mit unsortierten Fotos aus fünf Generationen übernommen. Von den alten Familienfotos sind nur noch die Abzüge da, während die Negative schon vor längerer Zeit im Müll landeten. Von den neueren Bildern meiner eigenen Kleinfamilie gibt es gar keine Negative, nur Dateien. Diese nicht vorhandenen Negative digital herzustellen, ist ein Teil meines Vorgehens. Mich interessiert die Idee des Negativs als Potenzial: etwas, das als Bild selbst eher unverständlich ist, das aber verschiedene Möglichkeiten der Interpretation bietet. Auf der visuellen Ebene entsteht im Negativ eine Abstraktionsebene, die die abgebildeten Personen anonymisiert und doch so etwas wie ihr Wesen zeigt. Dies wird verstärkt durch die Überlagerung mit weiteren Bildern.