Jessen Oestergaard


Grenzgang

 

Als Jessen Oestergaard vor zehn Jahren die ersten Aufnahmen mit einer gebrauchten,

historischen Polaroid-Kamera vom Flohmarkt machte, verblüfften ihn die relativ hohe Abbildungsqualität

und die Unberechenbarkeit von Kamera und Filmmaterial. Die Sofortbildkamera

forderte ihn dazu heraus, sein Verständnis von Fotografie neu zu überdenken,

Grenzen neu zu definieren oder ganz und gar über Bord zu werfen. Besonders in der Landschaftsfotografie

und bei Naturaufnahmen eröffnete sich ihm dadurch ein neuer visueller

Raum, der Vertrautes immer wieder neu darbietet.

Alle Bilder wurden mit historischen Kameras auf dem Sofortbildfilm Fuji FP3000B aufgenommen,

der schon seit etlichen Jahren nicht mehr produziert wird. Von diesen Bildern

wurden nicht die fertig entwickelten Positive, sondern die in der Chemieseite latent vorhandenen,

getrockneten Negative verwendet. Diese wurden gescannt, ohne Veränderungen

des Bildinhaltes digital zu Positiven umgewandelt und im Großformat gedruckt. In alle

Bilder hat der Künstler tatsächliche Objekte oder Spuren des Aufnahmeortes wie Kratzer,

Blätter, Schneeflocken oder die eigenen Fingerabdrücke integriert. Hinzu kommen sichtbare

Unregelmäßigkeiten des Entwicklungsprozesses und unkontrollierte Lichtreflexe in den Kameras.