Ella Kiviniemi


By the Borderline


Wenn man in einer offenen, vernetzten Welt lebt, ist man versucht, die Vergangenheit zu vergessen. Aber die Menschen tragen ihre Geschichte mit sich. Für Ella Kiviniemi ist die Fotografie ein Werkzeug, um Menschen zu treffen und sie zu interpretieren. Im Jahr 2015 brach sie zu einer Reise entlang der 1.340 km langen finnisch-russischen Grenze auf. Diese Grenze ist offen: Eine leere, aber dicht bewachte Gasse durchschneidet die Wildnis von Lappland bis zur Ostsee. Es ist seit Jahrhunderten eine Trennlinie zwischen dem Osten und dem Westen, seit Jahrhunderten gehört es zur Geschichte Finnlands, Grenzland zu sein. Dazu haben die Finnen traditionell ein etwas ambivalentes Verhältnis.


Ella Kiviniemi war auf der Suche nach einem besseren Verständnis der komplexen finnischen Identität, als sie sich mit der Kamera auf die Reise entlang dieser Grenze machte. An der Grenze begegnete sie einem Mann, der sich mit siebzehn Jahren zum Kampf gegen die Sowjets gemeldet hatte. Andere Leute hatten auf der anderen Seite ihr Zuhause verloren hatten und noch immer das Gefühl, ausspioniert zu werden. Die Fotografin hat dabei festgestellt, daß die Geschichte in den Erzählungen über Krieg und Angst lebendig bleibt. Die Grenze hat viele Lebensläufe verändert. Sie hat aber auch die Grenze menschlicher Kontrolle veranschaulicht, indem sie sich immer bewegt hat. Tatsächlich gab es immer Wechselwirkungen zwischen Finnland, Rußland und dem Weißen Karelien. Somit zeigt die Grenze auch die Absurdität dieser künstlichen Konstruktion, die das Unkontrollierbare organisieren soll. Durch diese Realität wurde die Künstlerin auf diese Gegenden neugierig. Als nächsten Schritt stellt sie sich vor, sich nach Rußland zu begeben, um herauszufinden, wie die Beziehungen
der beiden Länder dort wahrgenommen werden.