Charlotte Thömmes


Vergänglichkeit.


Blüten sind vergängliche Formen pflanzlichen Lebens. Die Knospen entfalten sich in feine, sinnliche Gebilde mit bezauberndem Duft um genauso schnell wieder zu verwelken und zu vergehen. In ihrer Vielfalt und Formschönheit offenbaren sich die Ästhetik der Natur sowie die Vergänglichkeit aller Form. Ephemere Schönheit, die uns an den konstanten Fluss des Lebens erinnert.


Florale Vanitas Motive finden sich in allen Epochen der Kunstgeschichte, aber anstatt den Fokus auf den morbiden, dahinwelkenden Aspekt zu legen ist es mir wichtig Vergänglichkeit als eine farbenfrohe Allegorie des Lebens darzustellen. In den Bildern der Serie „on visions and color“ zerfließen Farben und Formen pflanzlichen Lebens zu abstrakten, teilweise mikroskopisch anmutenden Aufnahmen, die sich an der Grenze zwischen Fotografie und Malerei bewegen. Die Bilder entstanden durch gezielte Überbelichtung von großformatigen 4x5 inch Farbnegativen in der Sonne. Wie bei Fotogrammen handelt es sich bei diesen sogenannten Lumenprints um ein kameraloses Verfahren. Ich habe Blüten, Gräser, Blätter und Zweige in verschieden Schichtenauf Farbnegativen arrangiert und der Sonne ausgesetzt. Das Arrangieren des pflanzlichen Materials entstand, ähnlich dem japanischen Ikebana, mit der Intention ein Abbild zu konstruieren, das über die reine Darstellung des Materials hinausgeht. Die Hitze und das intensive Licht der Sonne haben auf den Negativen nicht nur ein geisterhaftes Fotogramm
hinterlassen, sondern auch einen physischen Abdruck des organischen Materials in die Filmschicht des Negativs gebrannt. Durch die beabsichtige Überbeanspruchung des Filmnegatives entsteht der Eindruck von Fehlfarben und von etwas Geisterhaften, das die Vergänglichkeit der reinen Form des Objekts zusätzlich betont. Die Serie ist durch die Überbeanspruchung auch ein Grenzgang an die Möglichkeiten des Filmmaterials.