Benita Suchodrev


Die Arbeiten sind im Kunsthaus und im Rathaus Wiesbaden zu sehen.

48 Hours Blackpool

 

Im blitzbetonten Stil früher amerikanischer Pressebilder lichtet die russisch-amerikanische
Künstlern Benita Suchodrev das tägliche Leben auf der berühmten Promenade des
Ferienorts Blackpool an der Irischen See ein. Es gelingt ihr dabei, mit viel Intuition den
entscheidenden Augenblick ihrer Begegnungen einzufrieren und durch die geschickte Inszenierung
des Zufälligen die Straße in eine Bühne zu verwandeln. Sie macht damit „das
Gesicht in der Menge“ sichtbar, sie zeigt Geschichten, die man nicht kennt, die aber genau
an diesem Punkt ankommen.
Die kontrastreichen Schwarzweißbilder mit ihren kalkigen hellen Flächen wirken intensiv
und ziehen doch eine Grenze zwischen Objekt und Betrachter ein, weil sie das Reportagehafte
ästhetisch überhöhen und dadurch das Eizigartige beziehungsweise Banale des
jeweiligen Augenblicks im Kopf des Betrachters changieren lassen, bis man darüber im
Ungewissen ist, ob die dargestellte Situation nun als sensationell, außergewöhnlich oder
trivial einzuordnen ist. Es ist dieses Spiel mit der Wertigkeit, das ihren Arbeiten einen
eigenartigen Reiz verleiht. Dabei ist der einst glanzvolle, aber inzwischen gelinde abgewirtschaftete
Badeort nur die Kulisse, die den Bildern einen Anflug von Sehnsucht nach
schönen Erinnerungen verleiht. Auch dies ergibt ein Spiel mit Bewertungen, denn das
Nostalgische stellt stets die Frage, was man als schöner erachtet.
Die Serie ist eine Gesellschaftsstudie voller Authentizität und Poesie, in der es auch um
das Gestern und das Heute geht. Die trotzdem zeitlose Entdeckungsreise führt durch
Bingo-Salons, Hot-Dog-Stände und Burlesque-Theater, wo skurrile Typen, Mamas und
Papas, Kinder und Möwen spielen gehen. „Ihre Bilder – halb Situationsschilderung, halb
Porträt – sind individuell und typologisch zugleich; jeder Dargestellte ist Stellvertreter für
einen anderen Blackpool-Besucher, und insgesamt ist 48 Hours Blackpool eine visuelle
Metapher für die britische Arbeiterklasse, die sie mit Wohlwollen schildert – auch wenn
dies mitunter recht dunkel und schonungslos ausfällt“, schreibt Dr. Matthias Harder, Kurator
der Helmut Newton Stiftung.