Barbara Kammerer


„sehen, was zu sein scheint“


Die Bilder von Barbara Kammerer sprechen den Betrachter durch leuchtende Farben
und das wechselnde Spiel der Schärfe an. Die teils feinen, teils flächigen Strukturen verschmelzen
zu etwas, das man eher als „Eindruck“ denn als Abbildung bezeichnen könnte.
Die Künstlerin kommt von der Fotocollage, wo sie lange Zeit ihre Aufnahmen als Bausteine
größerer Arrangements eingesetzt hat. Rund um das Sujet setzten sich diese Collagen
facettenhaft aus vielen Aufnahmen zu einem neuen Ganzen zusammen. Bei dieser Arbeit
wurde Barbara Kammerer der Zusammenhang zwischen Standpunkt und Erscheinungsbild
bewußt. Seither ist ihre fotografische Arbeit durch die Erkenntnis geprägt, daß man
durch äußere Einflüsse die Wahrnehmung der Dinge so verändern kann, daß Tatsächliches
nicht mehr erkennbar ist und Unvermutetes an seine Stelle tritt. Die zehn gezeigten
Arbeiten wurden von der Künstlerin aus ihrem inzwischen umfangreichen Archiv solcher
Aufnahmen ausgesucht.
Barbara Kammerer konzentriert sich auf simple, alltägliche Dinge, die im allgemeinen
keine Aufmerksamkeit erregen: Im Licht und aus der Nähe betrachtet offenbaren die gemischten
Materialien Ungeahntes. Jedes Bild entsteht im Zusammenspiel von Umgebung,
Perspektive, Licht und dem bewusst gesetzten, minimalen Schärfepunkt. Die Dinge verlieren
ihr Aussehen und nehmen ein neues an, welches nur für den Augenblick und in der
Summe der einwirkenden Faktoren existiert. Dieser Wandel vollzieht sich in der Unschärfe,
indem Farben und Formen verschwimmen, sich überlagern und sich mit ihrem Umfeld
vereinen. Das führt zu der Überlegung, ob das, was wir sehen, der Realität entspricht oder
der Illusion. Und zu der Frage, wo die Grenze zwischen diesen beiden Welten verläuft.