Anna Reivilä


Bond


In den religiösen Zeremonien Japans symbolisieren Seile und andere Verbindungen die Bande zwischen Menschen und Gott, um den heiligen Raum und die heilige Zeit zu identifizieren. Inspiriert von der Mischung aus roher Gewalt und Schönheit in den Bildern Nobuyoshi Arakis untersucht die finnische Fotografin Anna Reivilä die Beziehung zwischen Mensch und Natur mit Bezug zur japanischen Bondage-Tradition. Das japanische Wort für Knechtschaft, kinbaku-bi, bedeutet wörtlich „die Schönheit der engen Bindung“. Es geht um das empfindliche Gleichgewicht zwischen Zusammenhalt und Zerbrechen.

 

Die Künstlerin sucht Räume, in denen die Elemente der Natur in ein interessantes natürliches Spannungsverhältnis eintreten, und setzt diesen Dialog durch ihre eigenen Interpretationen fort, indem sie diese ursprünglichen Formen erweitert, einbindet und aufnimmt. Dadurch erschafft sie aus den vorgefundenen Komponenten eine neue Wahrnehmung von Volumen. Seile als Linien sind dabei für Anna Reivilä eine Form des Zeichnens. Diese Seil-Linien erzeugen Interaktionen und stellen Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen her. Durch sie werden die Dinge zueinender in Beziehung gesetzt. Physisch sind diese dreidimensionalen Zeichnungen zwar instabil, sie existieren nur für den Moment. Durch die Aufzeichnung des Prozesses wird das Foto Teil des Stückes. Die Linien erschließen dabei auch den Raum, ähnlich wie die Spiegelreflexionen bei Robert Smithson (Yucatan Mirror Displacements, 1969). Die Spiegel brachen die Umgebung und eröffneten einen neuartigen Blick auf die Landschaft. In einer ähnlichen Weise machen die Linien im Werk Anna Reiviläs die Formen der Elemente und die Verbindungen zwischen ihnen sichtbar.