Anna-Kristina Bauer


Abtreibung in Polen / No Woman no Kraj

 

Das katholische Polen ist eines der wenigen Länder in Europa, wo die Abtreibung weiterhin nahezu illegal bleibt. In Polen ist eine Abtreibung nur in drei Fällen legal: Wenn die Schwangerschaft Folge einer Vergewaltigung ist, wenn sie die Gesundheit der Frau gefährdet oder wenn der Embryo unheilbare Schäden aufweist. Doch das Gesetz in Polen hält die Frauen nicht von einem Schwangerschaftsabbruch ab. Die Zahl der offziellen, legalen Abtreibungen liege bei etwa 1000 Eingriffen jährlich, der Verband für Frauenrechte und Familienplanung schätzt aber, dass jährlich bis zu 150.000 Polinnen abtreiben lassen. Denn während die Regierung eine weitere Verschärfung des Abtreibungsrechts plant, gehen Tausende Frauen zur Abtreibung ins Ausland, unter anderem nach Deutschland. Untersuchungen des polnischen Umfrageinstituts CBOS zufolge hat jede vierte Frau einen Schwangerschaftsabbruch hinter sich. Ein Grund dafür ist u. a. der fehlende Sexualkundeunterricht in der Schule. Polinnen, die einen Abbruch wünschen, suchen im Untergrund nach Ärzten, kaufen online Tabletten oder fahren über die Grenze, in Deutschland vor allem nach Prenzlau.


Für ihre Bilder hat Anna-Kristina Bauer Frauen begleitet, die einen Schwangerschaftsabbruch in Deutschland durchführen lassen. Die Meinung der Polen über die Abtreibung ist gespalten. Eine Frau in einem Laden sagt: „Ich bin nie Mördern begegnet, weil ich nicht in solchen Kreisen verkehre.“ Eine andere sagt, dass sie auf den Demonstrationen war. Ein Pfarrer der Stadt ist empört über derartige Nachfragen, ein anderer möchte darauf gar nicht erst antworten. Mit ihren Bildern illustriert Anna-Kristina Bauer nicht nur den physischen Grenzübertritt, sondern auch die sehr persönliche Grenzüberschreitung der Frauen, die in Deutschland etwas tun, was nach polnischem Recht und christlicher Lehre verboten ist. Nüchtern und dokumentarisch zeichnet die Fotografin mit ihrer Kamera auf, was diese Menschen bewegt und wie sie mit ihrer Entscheidung leben.