Die Wiesbadener Fototage bekommen den Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden 2019

Pressetext und Fotos


"Grenzgang Fotokunst" ist das Motto der Wiesbadener Fototage, die vom 17. August bis 1. September bei freiem Eintritt dazu einladen, zeitgenössische Fotografie zu entdecken.

 

Das Ausloten von Grenzen ist seit jeher immanenter Bestandteil von Fotokunst.

Die 11. Wiesbadener Fototage machen dies nun selbst zum Thema wobei Finnland in diesem Jahr mit 12 vielschichtigen fotografischen Positionen den diesjährigen Länderschwerpunkt bildet.

 Die grundsätzliche Fragestellung mit welchen Grenzgängen - inhaltlichen sowie fotografischen - sich die Fotografen auseinandersetzen bildet den Ausgangspunkt und Kern der Fototage.

Einen weiteren Schwerpunkt stellen die Fotoarbeiten von blinden Fotografen dar.

Zu insgesamt 5 verschiedenen Ausstellungsorten wird das Publikum eingeladen, die jeweiligen Grenzgänge von 57 Fotografen_innen zu entdecken.

 

Ergebnisse aktueller Fotokunst sind immer daran zu messen, inwieweit sie die Grenzen der Fotografie neu ausloten. Reale Grenzen der Welt und Sichtweisen gehören ebenso dazu wie ästhetische, physische und psychische Grenzen. Das betrifft sowohl reale als auch fiktive Grenzen. Dabei geht es um die grundsätzliche Fragestellung des „So noch nicht Gesehenen“.

 

Ab 2019 werden die Wiesbadener Fototage durch die Eingliederung in eine Foto-Triennale 

im Rhein-Main-Gebiet in eine neue Phase eintreten. Gemeinsam mit Frankfurt und Darmstadt 

wird abwechselnd jedes Jahr ein Fotofestival stattfinden.

 

Ausstellungsorte:

Ministerium für Wissenschaft und Kunst - Rheinstraße 23-25

SV SparkassenVersicherung - Bahnhofstraße 69

Kunsthaus Wiesbaden - Schulberg 10

frauen museum wiesbaden - Wörthstraße 5

Rathaus Wiesbaden

 

Wir freuen uns wieder auf die Zusammenarbeit mit der Filmbühne Caligari, in dem wir unsere Reihe "Fotografie im Film" als erfolgreiche Rahmenprogrammserie der Fototage fortsetzen können.

 

In diesem Jahr werden bei den Wiesbadener Fototagen zwei Förderpreise von je 1.500,- Euro ausgelobt.

Die Förderpreise, gestiftet von der SV SparkassenVersicherung, werden als Publikums- und Jurypreis ausgeschrieben. Für die Jury konnte zusätzlich Andreas Trampe, jahrelanger Bildchef beim Stern,

gewonnen werden.

 

Wiesbadener Fototage vom 17.8 bis 1.9. 2019

Öffnungszeiten jeweils am Wochenende: Fr. Sa. und So. von 13 bis 18 Uhr.

Der Eintritt ist frei!

 


Veröffentlichung der Fotos nur mit Namensnennung - weitere Fotos auf Anfrage!

Preisverleihung der Fototage:

 

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links nach rechts: Benita Suchodrev, Silja Korn und Karsten Hein.
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Foto: Bettina Gorn
Titelbild der Fototage 2019
pressefoto.jpg
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Foto: Koschies
fotografiert mit Schlitzkameras
presse.jpg
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Foto: Mary Hartwig (blinde Fotografin)
Der Vogel
Mary Hartwig oT (Der Vogel).jpg
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anna_reivilae_Bond-1.jpg
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finnische Fotografin:

Anna_Reivilä


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Foto: Benita Suchodrev
Benita_Suchodrev_48_Hours_Blackpool_Samp
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Seit ihren Anfängen lotet die Fotokunst Grenzen aus – sowohl technisch als auch ästhetisch.
Technisch, weil sie, von der Malerei kommend, immer vom Wandel ihrer Medien geprägt wurde.
Vor allem die Erhöhung der Filmempfindlichkeit und die Verbesserung der Objektive sorgten
für immer kürzere Belichtungszeiten („Momentaufnahme“) und damit für neue Bildwelten und
Möglichkeiten, für einen Wandel der Darstellung und des Sehens. Die Einführung des Kleinbildformats
stieß die Tür zur echten, schnellen Reportage auf. Der technische Umbruch der Digitalfotografie
eröffnete völlig neuartige Gestaltungsmöglichkeiten. Doch auch materiell arbeitet
sie stets an Grenzen verschiedener Art: zwischen Licht und Schatten, zwischen Bereichen der
Schärfe und der Unschärfe, zwischen dem „Davor und Dahinter“, sowohl räumlich als auch zeitlich
– desweiteren zwischen Emulsionsschichten, sogar noch zwischen dem Silberhalogenkristall
und seiner Umgebung.

 

Das Ausloten von Grenzen in der Fotokunst führt meistens in einen sehr persönlichen künstlerischen
Bereich, denn es sagt viel darüber aus, wo der Künstler die Grenze wahrnimmt, wo er sie
also subjektiv bereits übertritt oder wo er beobachtet, wie andere dies tun. Für den Betrachter
kann die Grenze auch ein Stück näher oder weiter weg sein. Der Grenzgang wird dadurch auch
zum Dialog, zur Auseinandersetzung zwischen Künstler und Betrachter. Das Medium Fotografie
übernimmt dabei eine Mittlerrolle, es ermöglicht dadurch schon in der Auseinandersetzung mit
jedem einzelnen Werk einen Grenzgang.
Die Wahl dieses Themas erweist sich als sehr geschickter Griff der Veranstalter, denn einerseits
beschäftigt es zur Zeit breite Bevölkerungskreise, andererseits kann man damit künstlerisch aus
dem Vollen schöpfen, denn unter den angesprochenen Künstlern haben sich viele mit diesem
Aspekt ihrer Arbeit auseinandergesetzt. Die Einreichungen zeigen das eindrucksvoll, sie sind
sehr heterogen und beleuchten das Thema von sehr unterschiedlichen Standorten her. Ihnen
allen ist gemeinsam, Grenzgänge und Grenzüberschreitungen festzustellen und zu dokumentieren,
auch wenn diese nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Sie können gesellschaftlicher,
ästhetischer oder auch technischer Natur sein.
Eine besondere Grenzüberschreitung erfolgt auch durch die Ausstellung selbst, die in einem
Schwerpunkt die Werke blinder Fotografen zeigt. Sie fordern jeden Betrachter unmittelbar heraus
und veranlassen ihn, einige seiner eigenen Überzeugungen und Urteile neu auszuloten.


Mit dem Länderschwerpunkt Finnland wird das Thema Grenzgänge auf subtile Weise auch noch
einmal auf einer anderen Ebene behandelt. Das uns in mancher Hinsicht unbekannte Land hat

die längste Grenze eines europäischen Landes mit Rußland und verbindet unsere Klimaregion
mit der des Polargebiets.

Finnischen Fotografen sagt man nach, sie seien stark vom Licht inspiriert.
Die gezeigten Beiträge geben jedoch viele Beispiele für eine sehr heterogene finnische
Fotokunst, die sich vorschnellen Etikettierungen entzieht. Eine wirklich treffende Charakterisierung
ist wahrscheinlich nur jemandem möglich, der selbst aus Finnland stammt.

 

Text:

Alexander Glück